TailorWord #5: Wer schreibt, der bleibt

Über die Zukunft des Schreibens

Wer meint, dass das Schreiben keine Zukunft hat, könnte gleich das Denken mit infrage stellen. Zugegeben, Roboter basteln heute schon mithilfe von Algorithmen Textbausteine und verfassen Sportnachrichten und Wetterberichte. Auch die Untergangsszenarien für Zeitungen, Zeitschriften und gedruckte Bücher mögen den Wandel in der Medienwelt beschwören, sie haben jedoch nur bedingt etwas mit dem geschriebenen Wort, dem Ausdruck einer Formulierung oder dem Stil eines Textes zu tun. Zwischen den Kassandrarufen ertönt immer wieder die Formel: „Content is King!“ Dem schließe ich mich an und bin ziemlich sicher, dass es in der Zukunft auf den Inhalt ankommen wird. Und zwar auf jenen, der nicht von einem Roboter geschrieben oder gesprochen werden kann, sondern nur von einem lebenden Menschen erdacht wird. Vor dem Wort steht der Gedanke, der sich aus dem Cocktail von Gefühlen, Erfahrungen, Wissen, guten oder bösen Absichten sowie richtigen oder falschen Fragen und Antworten formt. Wer möchte als Leser oder Zuhörer schon, dass diese Mixtur von einem Algorithmus berechnet wird? Das Liebesgedicht,  den kritischen Kommentar zu einer umstrittenen politischen Entscheidung oder die Berichterstattung über eine fetzige Pressekonferenz nach einem schmutzigen Fußballspiel – wollen wir das wirklich von einem Roboter verfasst lesen? Nein! Ich will lesen, was mir Menschen aus Fleisch und Blut schreiben. Ich will hören, was mir Personen und – noch lieber – Persönlichkeiten sagen. Weil ich vermute und hoffe, dass ich mit diesem Wunsch nicht alleine bin, glaube ich an die Zukunft des Schreibens und an die Bedeutung der schreibenden Zunft. Wer von uns Schreiberlingen jedoch denkt, dass alles so bleibt wie es ist, und nicht willens ist, den Wandel aktiv mitzugestalten, der bleibt auf der Strecke.

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