TailorWord #5: Wer schreibt, der bleibt

Über die Zukunft des Schreibens

Wer meint, dass das Schreiben keine Zukunft hat, könnte gleich das Denken mit infrage stellen. Zugegeben, Roboter basteln heute schon mithilfe von Algorithmen Textbausteine und verfassen Sportnachrichten und Wetterberichte. Auch die Untergangsszenarien für Zeitungen, Zeitschriften und gedruckte Bücher mögen den Wandel in der Medienwelt beschwören, sie haben jedoch nur bedingt etwas mit dem geschriebenen Wort, dem Ausdruck einer Formulierung oder dem Stil eines Textes zu tun. Weiterlesen

TailorWord #4: Von „postfaktisch“ zu „multireal“

Gefühlte 15 Jahre ist es her, dass die Wettervorhersage für Temperaturen eine zweite Maßeinheit einführte. Die „gefühlte Temperatur“ wurde im nasskalten und windigen Winterwetter schnell zu der zweiten Größe neben den in Zahlen gemessenen Minus- oder Plus-Graden. War das damals der Ursprung der postfaktischen Ära von dem heute nicht nur die Kanzlerin spricht? Das Phänomen, dass Fakten gegenüber der gefühlten Wahrnehmung eine untergeordnete Rolle spielen, ist nicht neu. Politikfähig wurde es spätestens mit der Aussage des AFD Vorsitzenden in Berlin, Georg Pazderski: „Es geht nicht nur um die reine Statistik, sondern es geht da drum, wie das der Bürger empfindet. Das heißt also das, was man fühlt, ist auch Realität.“ Auch im aktuellen US-amerikanischen Wahlkampf belegt der dortige Faktencheck nur, dass sich in Wirklichkeit keiner daranhält. Weiterlesen

TailorWord #2: Die Macht der Medien

„Die Macht der Medien ist gewaltig“, unter diesem Titel habe ich für ein Buchprojekt einen mehrseitigen Aufsatz geschrieben. Der Inhalt will einen Beitrag zur „Medienkompetenz“ leisten. Aus den folgenden Zwischenüberschriften erschließt sich dem interessierten Leser der Inhalt am besten:

– Vom Postweg zur Echtzeit war es nicht weit
– Medien und Politik beeinflussen sich gegenseitig
– Die Mediokratie ist stärker als die Demokratie
– Die Mediokratie ist Chance und Bedrohung zugleich
– Das Medium ist die Botschaft
– Die Aufmerksamkeitsökonomie boomt
– Die objektive Berichterstattung steht auf dem Spiel
– Die Macht der Journalisten kriselt

Marshall McLuhans wies auf die Notwendigkeit einer Medienkompetenz hin, indem er schrieb: „Jedes Verständnis sozialer und kultureller Veränderungen ist unmöglich, wenn man nicht weiß, wie die Medien als Umwelten funktionieren.

Hier geht es zum Download des Aufsatzes: Die Macht der Medien ist gewaltig

TailorWord #1: Work-Life-Balance

In der Kategorie „TailorWord“ beleuchte ich Worte und Begrifflichkeiten aus meiner Arbeitswelt. Tailor Word hinterfragt, kommentiert und macht gfs. Vorschläge. Heute habe ich mir den Begriff „Work-Life-Balance“ vorgenommen:

 
„Zuerst verwirren sich die Worte, dann verwirren sich die Begriffe und schließlich verwirren sich die Sachen.“

Dieses chinesische Sprichwort lässt sich auf die Begriffskombination „Work-Life-Balance“ anwenden. Suggeriert sie doch, dass arbeiten und leben voneinander getrennt sind. Das Wort-Trio verwirrt und bei näherem Hinschauen gerät es aus dem Gleichgewicht. Leben wird darin als Teil- oder besser Rest-Menge der Zeit definiert, die nicht arbeiten ist. Armer Mensch, der von dem leben muss was übrig bleibt! Ich wünsche Ihnen, dass die Arbeitszeit in Ihr Leben integriert ist. „Inkludiert“ wäre hier der noch bessere Begriff.
Warum definieren wir mit der Formel „Work-Life-Balance“ das Leben und die Arbeit als Gegenpole? Mal ehrlich, es klingt im Unterton doch auch nach „gute Zeiten – schlechte Zeiten“. Vielleicht ist es das gute Recht der Gewerkschaften, diese gefühlte Front aufzubauen. Aber wollen wir das wirklich? Ist der Anteil der Arbeitszeit an der gesamten Lebenszeit nicht zu groß und mächtig für einen ideologischen Konkurrenzkampf?
Konfuzius hinterließ der modernen Arbeitswelt einen klugen Vorschlag:

„Wenn du liebst, was du tust, wirst du nie wieder in deinem Leben arbeiten.“

Folgt man ihm, wäre das heterogene Begriffs-Trio durch das homogene Paar „Life-Balance“ zu ersetzen.
Mein Favorit, mein Tailor Word, ist wieder ein Trio. Ich nenne das, was Work-Life-Balance wirklich meint, „Work-Life-Flow“. Wenn der Workflow stimmt, das Worklife liebens- und lebenswert ist, dann ist alles gut.
Flow bedeutet, dass Anforderungen und Fähigkeiten in einem ausgewogenen Verhältnis stehen – dass wir das Gefühl von Kontrolle haben. Der Flow erweckt eine gewisse Mühelosigkeit, weil wir fähig sind, uns auf unser Tun zu konzentrieren, d. h. Handlung und Bewusstsein verschmelzen. Flow ist eine Form von Glück, auf die man Einfluss hat.
„Work-Life-Flow“: Machen Sie diesen Namen zum Programm und beide haben was davon, Arbeitnehmer und Arbeitgeber.